Corinne Fischer Quer

5 Learnings von Corinne Fischer, Bataillard & Cie AG

5 Learnings von Corinne Fischer, Bataillard & Cie AG

Die Luzerner Unternehmerin Corinne Fischer (54) leitet als Verwaltungsratspräsidentin und Mitinhaberin die Geschicke der Bataillard & Cie AG. Bataillard ist eine führende und erfolgreich aufgestellte Weinhandelsfirma, die sich seit fünf Generationen in Familienbesitz befindet. Diese kennt Wein aus allen Perspektiven. Ihre Passion dreht sich seit mehr als 120 Jahren rund um den edlen Tropfen – und um seine Qualität, Beschaffung und professionelle Vermarktung. Lieferanten und Kunden profitieren von durchdachten Dienstleistungen wie auch von der einzigartigen Kompetenz im Marketing. Gleichzeitig ist sie Mitglied von verschiedenen Stiftungs- und Verwaltungsräten. Zudem wurde Frau Fischer 2017 in den SVC Vorstand gewählt.

Learning 1: Eine gesunde Fehlerkultur ist der Nährboden für Erfolg

Vor ein paar Jahren machte ich eine Studienreise durch das Silicon Valley. In vielen Diskussionen ist mir aufgefallen, wie anders man dort mit Misserfolgen und Fehlern umgeht. Erfolgreiche Unternehmer haben immer zuerst über ihre Misserfolge erzählt. Ihre Erfahrungen aus Fehlern waren dann der Nährboden für Innovation und Erfolg. Diese Kultur ist das Erfolgsrezept des Silicon Valleys. Wir haben eine andere Mentalität. Es herrscht oft noch eine ,Schuldkultur’. Das müssen wir ändern. Heute bin ich überzeugt, dass eine gute Fehlerkultur einen wesentlichen Teil einer erfolgreichen Organisation ausmacht. Wo viel gearbeitet wird, passieren auch Fehler. Wichtig ist, dass daraus gelernt wird. Heute ist Schnelligkeit wichtig und so benötigt eine Unternehmung die Fähigkeit, entstandene Fehler rasch möglichst zu erkennen und die notwendigen Gegenmassnahmen einzuleiten. Auch hier haben wir Führungspersonen eine Vorbildfunktion zu spielen. Wenn wir zu den gemachten Fehlern stehen und erklären, was wir daraus gelernt haben, fällt es auch unseren Mitarbeitern leichter.

Learning 2: Krisen sind Chancen

Kurz nach der Übernahme der Bataillard AG durch meinen Bruder und mich veränderte sich der Markt nicht zu unseren Gunsten. Viele unserer Kunden, wie beispielsweise Waro, PickPay oder Carrefour, wurden verkauft und in andere Detailhandelsketten integriert. Dies führte schnell zu sehr grossen Umsatzverlusten. Unsere Unternehmung wurde plötzlich zum Turnaround-Kandidat. Es folgte eine Restrukturierung und eine neue Strategie. Das war sehr schwer. Aber unser Unternehmen wurde durch diese Krise gestärkt. Wir konnten dank diesen Massnahmen wieder wachsen. Das hat mir gezeigt, dass Krisen eine Chance sind, um eine Firma einen grossen Schritt vorwärts zu bringen.

Sanni Foundation
Als Unternehmerin bin ich stets auf Trab, beschäftige mich nebst der Bataillard AG auch in diversen Gremien unterschiedlicher Stiftungen bis zu internationalen Organisationen. Ich liebe und brauche die Herausforderung sowie die Abwechslung im Alltag. Es gibt da jedoch eine Aufgabe, die zu einer persönlichen Herzensangelegenheit wurde: Meine Tätigkeit als Stiftungsrätin bei der SANNI Foundation.
Korkzapfen, Bataillaird & Cie AG
Silentium
Silentium: Unter südlicher Sonne sind die Trauben perfekt gereift. Sie wurden sorgfältig gelesen und schonend gepresst. Jetzt wird Silentium im Keller viel Zeit gegeben: Viele Monate wird er im Barrique ruhen. So kann er seine ganze Kraft entfalten.
Bataillard & Cie AG
Firmengebäude Bataillard & Cie AG
Bataillard AG: Standort Rothenburg.

Learning 3: Angst ist ein schlechter Begleiter

Als unser Unternehmen in die Krise schlitterte, packte mich die Angst. Mich quälte der Gedanke, wenn es schief geht, was dann? Als Folge konnte ich die Chancen nicht mehr sehen. Bald realisierte ich, dass diese Angst nicht nur mein Handeln, sondern und auch das meines Umfeldes hemmte. Daraus habe ich gelernt, dass Führungspersonen in schwierigen Zeiten eine wichtige Aufgabe haben, nämlich Zuversicht und Optimismus auszustrahlen. Diese Zuversicht basiert heute auf meiner Erkenntnis, dass sich für eine Firma mit gutem Ruf immer wieder neue Türen öffnen. Dieser Glaube motiviert und erlaubt neue Wege zu erkennen und zu beschreiten.

Learning 4: Meine beste Ausbildung…

…war die Ausbildung für professionelle Mediation und Konfliktlösung an der Universität Fribourg. Denn diese Ausbildung ist auch eine Begegnung mit sich selbst. Ich habe verstanden, dass ich mit Konflikten eher unbeholfen umgehe. Beruhigt hat mich, dass die meisten Kursteilnehmer ebenfalls Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen. In der Ausbildung habe ich viele Instrumente kennengelernt, um Konflikte zu deeskalieren oder schwierige Gespräche zu führen. Das hat meinen Führungsalltag enorm erleichtert.
Heute weiss man, dass Konflikte im Unternehmen die grössten Produktivitäts-Hemmer sind – es ist daher unglaublich wichtig, diese zu erkennen und den ‘richtigen’ Umgang damit zu finden. Deshalb empfehle ich jeder Führungspersönlichkeit eine solche Ausbildung wärmstens.

Learning 5: Steigerung der Frauenquote ist ein MUST

Frauen müssen im Unternehmen gefördert werden! Es gibt zwei Gründe dafür: Erstens zeigen diverse Studien, dass gemischte Führungsteams erfolgreicher sind. Weil Frauen anders denken, bringen sie andere Ideen und Argumente auf den Tisch. Durch die Vielfalt entstehen so bessere Lösungen. Zweitens kann sich unsere Volkswirtschaft nicht mehr leisten viele Frauen auszubilden und dann das Talent brach liegen zu lassen. Bis vor Kurzem habe ich die Meinung vertreten, dass eine Quotenregelung in der Schweiz nicht notwendig sei. Zwar sprechen alle von Frauenförderung in Führungsetagen, aber wenn man die Statistiken anschaut, hat sich kaum etwas verbessert. Deshalb habe ich meine Meinung geändert und plädiere jetzt für eine gesetzlich geregelte Frauenquote! Eine Frau sollte mehr Chancen bekommen, ihre Familienplanung mit der Karriere verknüpfen zu können. Die Firmen müssen sich mehr Mühe geben, Frauen anzustellen und diese gezielt zu fördern. Aber auch der Staat hat eine wichtige Aufgabe. Er muss bessere Infrastrukturen schaffen. Es braucht ein breites und finanzierbares Kinderbetreuungsangebot, um einfacher im Arbeitsprozess bleiben zu können.

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